Wie wirkt Alkohol?

Süchtig?

Süchtig?
Was ist Alkoholmissbrauch?
Was ist Alkoholabhängigkeit?

 

Süchtig?


„Mein Großvater trinkt jeden Nachmittag 2 Schnäpse. Das macht doch sicher stark abhängig, oder?“
„Ich trinke nur Bier, niemals starken Alkohol. Also bin ich nicht süchtig.“
„Ich bin kein Alkoholiker, denn ich trinke nie morgens Alkohol; erst nachmittags ab fünf Uhr.“
„Ich zeche jede Woche einmal richtig durch. Das kann ja wohl nichts schaden, oder?“ 

Scheinbar gibt es so viele Meinungen über Alkohol und Abhängigkeit wie es Menschen gibt. Wenn Sie wissen wollen, wie man mit Alkohol verantwortungsbewusst umgeht, schauen Sie einmal nach unter: Wie viel ist viel?

Alkohol hat positive und angenehme Seiten. Das ändert sich allerdings, wenn man Alkohol trinkt, um unangenehme Dinge, egal welcher Art, besser ertragen zu können. Denn dann benutzt man Alkohol, um mit Schwierigkeiten umzugehen; er wird zu einer Art Problemlöser. Wenn das geschieht, bekommt Alkohol eine Funktion. Man setzt ihn ein, um sich weniger zu ärgern, leichter in Kontakt zu kommen, sich weniger angespannt zu fühlen oder als Ablenkung. Charakteristisch ist, dass man im Laufe der Zeit immer weniger in der Lage ist, andere Lösungen zu finden. In diesem Fall sprechen wir von problematischem Alkoholkonsum oder von Alkoholmissbrauch.
Ob Sie nun abhängig sind oder nicht: Es lohnt sich, seine Trinkgewohnheiten zu verändern, sobald Alkohol eine Funktion bekommt. In einer Therapie wendet man sich anderen Problemlösungsstrategien zu, die ohne Alkohol auskommen. Lesen Sie mehr über Veränderung unter: Erlernte Gewohnheiten wieder verlernen.
Wenn Alkoholkonsum zu Problemen führt, könnten Alkoholmissbrauch oder Alkoholabhängigkeit (Sucht) vorliegen. Im Folgenden wird der Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen erläutert.

 

Was ist Alkoholmissbrauch?


Man hat sich international darauf geeinigt, wann Missbrauch eines Suchtmittels – in diesem Fall also Alkoholmissbrauch – vorliegt. Bei Alkoholmissbrauch muss mindestens eines der folgenden vier Kriterien über den Zeitraum eines Jahres gegeben sein:

 

  1. Der Alkoholkonsum führt dazu, dass Sie Ihre Aufgaben zu Hause, in der Schule oder auf der Arbeit immer häufiger nicht zufriedenstellend erfüllen: Sie gehen nicht zur Arbeit oder zur Schule, kommen zu spät, liefern schlechte Arbeit ab, erhalten Ordnungsstrafen in der Schule, vernachlässigen Ihre Kinder oder den Haushalt.
  2. Sie trinken Alkohol in Situationen, in denen dies gefährlich ist, z.B. wenn Sie noch Auto fahren oder Maschinen bedienen müssten. 
  3. Sie sind wegen Alkoholkonsums schon mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten, zum Beispiel, weil Sie betrunken Auto gefahren sind oder randaliert haben. 
  4. Sie hören nicht auf, Alkohol zu trinken, obwohl die Probleme, die mit dem Alkoholkonsum zusammenhängen, immer wiederkehren und ernster werden, z.B. Streit zu Hause, weil Sie zuviel trinken oder Schlägereien.
    Bei Alkoholmissbrauch sind Sie nicht zwangsläufig von Toleranz und Entzugserscheinungen betroffen. Sie trinken vielleicht, um Probleme leichter ertragen zu können. Es ist zu einem Weg geworden, mit Problemen umzugehen. Alkohol hat eine Funktion bekommen; Sie trinken Alkohol, um sich weniger zu ärgern, sich leichter zu entspannen, sich abzureagieren, Trost darin zu finden oder um sich von unangenehmen Gefühlen abzulenken. Wir nennen dies auch problematischen Alkoholkonsum.

 

Was ist Alkoholabhängigkeit?


Im internationalen Sprachgebrauch hat man sich darauf geeinigt, wann von der Abhängigkeit von einem Suchtmittel – in diesem Fall also von Alkoholabhängigkeit – die Rede ist. Abhängigkeit (Sucht) liegt vor, wenn innerhalb eines Jahres mindestens drei der folgenden Punkte gegeben sind:

  1. Toleranz: Sie vertragen immer mehr Alkohol; Sie brauchen mehr, um denselben Effekt zu erzielen. 
  2. Entzug:
    Sie haben mindestens zwei der folgenden Entzugserscheinungen, wenn Sie aufhören Alkohol zu trinken:
    - vermehrtes Schwitzen oder einen Ruhepuls von über 100
    - zitternde Hände
    - Übelkeit oder Erbrechen
    - Dinge sehen, fühlen oder hören, die nicht da sind
    - geistige und körperliche Unruhe
    - Angst
    - epileptische Anfälle
    Sie trinken Alkohol, um diese Symptome zu bekämpfen. 
  3. Sie trinken mehr und länger als Sie eigentlich vorhatten (Kontrollverlust). 
  4. Sie nehmen sich immer wieder vor, aufzuhören oder weniger zu trinken, aber daraus wird nicht viel. 
  5. Sie verbringen immer mehr Zeit damit, Alkohol zu trinken, zu kaufen und sich davon wieder zu erholen.
  6. Soziale Kontakte, Arbeit und Freizeitbeschäftigungen werden aufgrund des Alkoholkonsums vernachlässigt oder fallen ganz weg. 
  7. Sie wissen, dass Alkohol ihnen schadet und Probleme verursacht, aber Sie trinken trotzdem weiter.

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